Lieferketten-Alerts
Die Chemikalie, auf die niemand achtet, wurde gerade zu der Störung, auf die jeder achten sollte
Die meisten Supply-Chain-Experten können die kritischen Materialien benennen, die durch den Nahostkonflikt gefährdet sind: Öl, LNG, Helium, Düngemittel. Schwefelsäure steht selten auf dieser Liste. Ab Mai 2026 wird dieses Versäumnis teuer werden.
China hat angekündigt, die Exporte von Schwefelsäure ab Mai einzustellen. Dies trifft die Metall- und Düngemittelindustrie, die bereits durch Rohstoffengpässe infolge des Iran-Krieges belastet ist. Das Verbot betrifft Schwefelsäure, die als Nebenprodukt der Kupfer- und Zinkverhüttung anfällt. Da China mehr als 40 % der weltweiten Schwefelsäure produziert und 2025 der größte Exporteur war, ist der Wegfall dieses Volumens kein bloßer Randeffekt, sondern ein struktureller Schock.
Warum die Konvergenz zweier Störungen fatal ist
Der Nahostkonflikt hat das weltweite Schwefelangebot bereits massiv eingeschränkt, da die Blockade der Straße von Hormus Lieferungen aus einer Region unterbindet, die für ein Drittel der weltweiten Schwefelproduktion verantwortlich ist. Seit Krisenbeginn sind die Schwefelpreise um ca. 70 % gestiegen; die Preise für Schwefelsäure in Chile kletterten in nur einem Monat um 44 %. Chinas Exportstopp nimmt nun das letzte flexible Ventil vom Markt, auf das Käufer gehofft hatten.
Die nachgelagerten Risiken sind breiter als gedacht
Schwefelsäure ist für die Herstellung von Phosphatdüngern (ca. 50 % des globalen Verbrauchs) unerlässlich. Darüber hinaus ist sie entscheidend für die Erdölraffination, die Kunststoffherstellung und die Wasseraufbereitung. Vor allem aber ist sie das primäre Reagenz bei der Kupfer- und Nickelextraktion. Chile, der weltweit größte Kupferproduzent, bezieht jährlich über eine Million Tonnen Schwefelsäure aus China. Etwa ein Fünftel der chilenischen Kupferproduktion hängt direkt von diesem Verfahren ab.
Kupfer fließt in Elektrogeräte, das Baugewerbe und E-Auto-Batterien. Phosphatdünger sichert die weltweite Nahrungsmittelproduktion. Beide Ketten stehen nun vor einem simultanen Kostenschock ohne skalierbare Alternativen. Schätzungen gehen davon aus, dass die Kosten für Betriebe, die auf chinesische Säure angewiesen sind, um 40 % bis 60 % steigen könnten. Das Verbot tritt erst im Mai in Kraft, doch die Panikkäufe haben bereits begonnen.