Lieferketten-Alerts
Wenn kritische Infrastruktur auf Realität trifft
Sep 22, 2025
Nach Jahrzehnten des Überschusses könnten wir „schlafwandelnd in das größte Aluminium-Defizit seit 20 Jahren“ geraten. China produziert 60 % des weltweiten Aluminiums, hat aber eine selbst auferlegte Produktionskapazität von 45 Millionen Tonnen pro Jahr fast erreicht. Die Börsenbestände sind von 3 Millionen Tonnen vor vier Jahren auf heute nur noch 700.000 Tonnen eingebrochen.
Russland-Sanktionen leiten das Metall von den Londoner Börsen weg. Außerhalb Chinas schließen Schmelzhütten aufgrund der hohen Energiekosten weiterhin. Indonesien bietet Hoffnung auf neue Kapazitäten, aber realistische Schätzungen gehen von nur 2,3 Millionen Tonnen bis 2030 aus – weit entfernt von den 7 Millionen Tonnen, die auf dem Papier stehen.
Citi erwartet, dass die Preise von 2.700 Dollar pro Tonne auf über 3.400 Dollar steigen werden, nur um Engpässe zu verhindern. Dies trifft US-Automobilhersteller, Luft- und Raumfahrtunternehmen sowie Projekte für erneuerbare Energien direkt. Globale Lieferketten, die auf billigem Aluminium aufgebaut wurden, stehen vor einer fundamentalen Umstrukturierung.
Amerikas letzter Magnesiumproduzent geht bankrott
US Magnesium, Amerikas einziger Primärproduzent dieses kritischen Verteidigungsmaterials, meldete am 10. September Insolvenz nach Chapter 11 an. Das Unternehmen kämpfte mit den Regulierungsbehörden in Utah wegen Umweltverstößen, während es gleichzeitig mit Geräteausfällen und 400 Millionen Dollar an gescheiterten Lithium-Investitionen zu kämpfen hatte.
China kontrolliert 85 % der weltweiten Magnesiumproduktion.
Russland liefert einen Großteil des Rests.
US Magnesium war die einzige Barriere zwischen amerikanischen Rüstungsunternehmen und einer vollständigen Abhängigkeit vom Ausland bei Materialien, die in Flugzeugen und Raketen verwendet werden. Jüngste Entwicklungen deuten darauf hin, dass der Bundesstaat Utah das Werk im Rahmen des Insolvenzverfahrens für rund 30 Millionen Dollar erwerben könnte, was jedoch das Ende der Magnesiumproduktion an diesem Standort und eine vollständige Importabhängigkeit bedeuten würde.
Realitätscheck für die Lieferkette
Beide Krisen zeigen auf, wie verwundbar die Ströme kritischer Materialien geworden sind. US-Hersteller stehen nun gleichzeitig vor höheren Aluminiumkosten und potenziellen Magnesiumengpässen. Globale Lieferketten gingen bisher davon aus, dass diese Materialien immer verfügbar und billig sein würden.
Die Dominoeffekte reichen über die Fertigung hinaus:
Rüstungsunternehmen müssen Produkte möglicherweise um die verfügbaren Materialien herum neu konstruieren.
Automobilunternehmen könnten steigende Kosten für Elektrofahrzeuge verzeichnen.
Bau- und Verpackungsindustrie stehen unter Margendruck.
Manchmal verstecken sich die größten Risiken direkt vor unseren Augen.
Quellen: